„Du siehst die Welt nicht so, wie sie ist, du siehst sie so, wie du bist.“

Dieser Satz begleitet mich nun schon eine ganze Weile. Das erste Mal habe ich ihn vor etwa 2 Jahren gehört und konnte damals recht wenig damit anfangen. Die wahre Bedeutung und Komplexität dieses Satzes erschließt sich mir immer noch nach und nach. In diesem kurzen Satz steckt so viel drin, was man nutzen kann um sein Leben ein wenig zu erleichtern, und in diesem Blog Post möchte ich versuchen, dir einen kleinen Einblick in die Tiefe der Bedeutung zu geben.

Gemäß dem systemisch-Konstruktivistischen Ansatz gibt es nicht „die eine Realität“, die scheinbar jeder von uns wahrnimmt. Es ist eine große Illusion zu denken, dass alle Menschen um dich herum eine Situation auf die selbe Art und Weise erleben, wie du selbst. Durch unsere individuellen Erfahrungen, Prägungen und Werte, durch unser Selbstbild und unser Weltbild, durch unsere Gefühle und Glaubenssätze nimmt jeder von uns ein und den selben Sachverhalt auf völlig verschiedene Weise wahr und bewertet ihn ganz unterschiedlich.

Kennst du das: Du bist in einer Situation, die für dich absolut schlimm und ein halber Weltuntergang ist und eine Freundin kann überhaupt nicht nachvollziehen, wo das Problem sein soll und ist der Meinung, dass du total übertriebst? Dass Menschen aus der Haut fahren wegen einer kleinen Bemerkung, die für jemand anderen eher lustig ist?

Du kannst dir auch zum Beispiel ein kleines Straßencafé vorstellen. An diesem Café läuft eine dralle Blondine vorbei, knappe Klamotten, hohe Schuhe. Wetten, dass eine übergewichtige Dame, ein Casanova, ein Orthopäde, ein Model und eine in die Jahre gekommene Diva verschiedene Blickwinkel und komplett verschiedene Gedanken bezüglich der Blondine haben? Die Blondine dient nur als Leinwand, auf die wir unser Inneres projizieren können.

Es ist immer die selbe Situation, die selbe Person, das selbe Ereignis, welche wir uns anschauen, doch gibt es unendlich viele Sichtweisen und Bewertungen darüber. Wie du diese verschiedenen Gegebenheiten wahrnimmst, sagt sehr wenig über die Situation, über die Person oder das Ereignis aus, sondern am aller meisten über dich selbst.

Auch die Aufmerksamkeitsfokussierung spielt in diesem Zusammenhang eine entscheidende Rolle. Nehmen wir an, es sitzen zwei übergewichtige Damen im Café, das nun von einer großen, schlanken Frau betreten wird. Die eine könnte denken „Oh man, so schlank werde ich niemals werden. Dann kann ich mir gleich noch ein Stück Torte bestellen“. Die andere könnte denken „Wow! So will ich auch mal aussehen. Ab heute esse ich keinen Kuchen mehr.“ – Die selbe Situation, zwei vollkommen verschiedene Auswirkungen. Es ist also auch unser Fokus, der uns leitet. Wollen wir das Positive und die Chancen sehen oder nur Unzulänglichkeiten und Probleme?

Apropos Probleme – auch unsere Probleme erschaffen wir uns selbst. Und zwar durch die Bedeutung und Beschreibung, die wir einer bestimmten Situation beimessen. Wie schon erwähnt gibt es unendlich viele Möglichkeiten eine Situation zu sehen. So kann auch das Problem gleichzeitig die Lösung sein, ganz einfach nur indem wir der Situation einfach eine andere Bedeutung geben. Eine Möglichkeit im Coaching ist es z.B. in einem Sachverhalt, der als Problem beschrieben wird, eine Kompetenz zu finden. Durch die neue Beschreibung wird das vermeintliche „Problem“ plötzlich positiv gewertet und zu schätzen gelernt. In Folge dessen wird es nicht ständig bewusst oder unbewusst bekämpft. Der negative Fokus wird in eine positive Sicht umgewandelt, so kann der Sachverhalt besser akzeptiert und auch im Endeffekt gelöst werden.

Vor dem Hintergrund dieses Wissens, das ich in den letzen Monaten gewonnen haben, gibt es nun auch einige Dinge, mit denen ich nun anders umgehe als früher:

1. „Was Peter über Paul sagt, sagt mehr über Peter als über Paul.“
Kennst du dieses Sprichwort? Wenn mich Menschen kritisieren, verurteilen, mich ungerechtfertigt behandeln, dann weiß ich nun, dass das in der Regel sehr wenig mit mir zu tun hat. Was sie sehen, sind ihre eigenen Erfahrungen, Ängste, Gefühle, Glaubenssätze, die sie auf mich projizieren. Ich diene – wie die Blondine oben im Beispiel – einfach nur als Leinwand für ihren eigenen Film. Seit ich das verstanden habe, fällt es mir leichter, solche Dinge nicht mehr auf mich zu beziehen und persönlich zu nehmen.

2. „Warte nicht darauf, bis deine Gefühle sich ändern und dich zum Handeln bewegen. Handle und deine Gefühle werden sich ändern.“
Kein anderer Mensch, keine Situation, kein Ereignis kann jemals dafür verantwortlich sein, wie es mir geht, wie ich mich fühle. Das liegt zu 100 % in meiner Hand. Ich allein kann allem, was mir passiert, eine Bedeutung geben, die mich beflügelt, die mich motiviert und die hilfreich für mich ist – oder einfach gar keine. Wieso sollte ich diese machtvolle Fähigkeit aus den Händen geben? Wenn negative Gefühle in mir aufkommen, kann ich achtsam damit umgehen und prüfen, woher diese Gefühle kommen. An welche Gedanken sind sie geknüpft?

3. „Der Kluge gibt keinen unerbetenen Ratschlag, der Weise nicht einmal den erbetenen“
Hast du schonmal Ratschläge bekommen, mit denen du nichts anfangen konntest oder die in der Umsetzung sowas von gescheitert sind? Ratschläge sind immer mit Vorsicht zu genießen. Man gibt aufgrund seiner eigenen Erfahrungen, Stärken und Glaubenssätze seine persönlichen Problemlösungsstrategien an andere Menschen weiter, die eine ganz andere Sicht der Dinge besitzen, andere Stärken, andere Erfahrungen. Das ist natürlich lieb gemeint, leider selten wirklich zielführend. Stattdessen ist es sinnvoll, seinen ganz individuellen Lösungsweg (z.B. durch gezielte Fragestellung/Coaching) in sich selbst finden, der auf eigene Stärken, Potenziale und Erfahrungen gestützt ist.

4. „Love it, leave it or change it.“
In jeder Situation habe ich drei Möglichkeiten: Entweder ich liebe sie und nehme sie zu 100% an, so wie sie ist. Oder ich verlasse sie, weil ich Null damit zurecht komme. Manchmal sind aber Option 1 und auch Option 2 vollkommen unmöglich, dann bleibt immer Möglichkeit Nummer 3: Ich ändere sie. „Hä, es gibt aber viele Dinge, die sich nicht ändern lassen!“, wirst du jetzt sagen. Naja, das stimmt natürlich. Negative Situationen oder involvierte Personen kann ich äußerst selten verändern. Das Einzige, was ich immer verändern kann, ist meine eigene Einstellung dazu und die Bedeutung, die ich der Situation oder der Person gebe. Wo liegt „das Gute im Schlechten“? Was kannst du aus der Situation lernen? Wie kannst du sie für dich nutzen? Auch dies sind Themen, die sich gut durch ein Coaching lösen lassen können.

Du siehst, dieser Satz steckt voller Lösungen und Möglichkeiten. Wenn du dich erstmal auf den Gedanken einlässt, dich mit ihm anfreundest und dich mit ihm auseinander setzt, werden sich nach und nach viele deiner Sichtweisen verändern.
Viel Spaß!